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Die Rettung der Zillierbachtalsperre Man schrieb das Jahr 1945, die deutsche Armee war bereits in Auflösung begriffen. Im Harz gab es jedoch noch kampfstarke SS-Verbände. Herr Rudolf arbeitete damals als Staumeister an der Zillierbachtalsperre und lebte zusammen mit seiner Frau und Tochter im Stauwärterhaus unterhalb der Staumauer. Die obere Etage wurde von der Familie Becker bewohnt, denn man hielt es für besser, wenn in diesen unsicheren Zeiten zwei Familien in diesem einsam gelegenen Haus lebten. Herr Becker war im nahegelegenen Wasserwerk beschäftigt. Nun plante die SS die Zerstörung der Zillierbachtalsperre. Der Sprengstoff war bereits antransportiert worden und lagerte etwa einen Kilometer unterhalb der Staumauer. Im Krieg hatte man die Talsperre mit grüner Farbe bemalt und den halben Stausee mit Flößen und Fichtenästen getarnt. Die Brücke jedoch, welche sich am Zufluß des Stausees befindet, wurde weiß angestrichen. Dieses Ablenkungsmanöver hatte die Talsperre tatsächlich vor Schaden bewahrt, denn Bomben, die offenbar ihr galten, fielen in der Nähe der Brücke in den Wald. Die Trichter sind heute noch zu sehen. Jetzt sollte sie also doch noch zerstört werden, und das durch die eigenen Truppen! Was das für die Stadt Wernigerode bedeutet hätte, war natürlich auch den beiden Familien klar, die an der Talsperre lebten. Der größte Teil der Stadt wäre von der Flutwelle nieder gewalzt worden. Herr Becker, bei den Wernigerödern wegen seines starken Bartwuchses als der schwarze Becker" bekannt, war ein rauher, furchtloser Mann, der nicht lange überlegte. So machte er sich zu Fuß auf den Weg zur Kommandantur der amerikanischen Truppen, in Ilsenburg. Dort schilderte er die Gefahr und zeigte auf einer Landkarte die Stelle, an der Sprengstoff für die Zerstörung der Talsperre, gelagert wurde. Mit Artillerie schossen daraufhin die amerikanischen Truppen auf die bezeichnete Stelle, so das der Sprengstoff vernichtet wurde. Da man für die Sprengung einer Talsperre große Mengen von Sprengmaterial benötigte, konnte kein Ersatz mehr beschafft werden. So blieb die Talsperre bis heute erhalten. Nach einem Bericht des ehemaligen Staumeisters Wilhelm Hofmeister. Wolfgang Wiezorrek |